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Wenn wir vom endlosen Lauf im Hamsterrad des Alltags genug haben, dann hauen wir ab in die Uckermark und verkaufen gezuckerte Erdbeeren am Stettiner Haff. So witzeln wir manchmal, wenn die Zwänge und Pflichten uns wieder einmal mürbe gemacht haben. Aussteigen, weg allen Ballast und ab aufs Land. Ein fröhliches Bekenntnis zu einem Landstrich, den wir noch nicht kennen. Schauen wir doch vorher einmal nach, zur Sicherheit, ob hier gut ausruhen und verstecken ist vor der Welt. Wir machten uns auf den Weg und prompt wurden wir wankelmütig, während wir uns näherten.

Orte und Gehöfte machen sich rar. Die Straße windet sich im Würgegriff der Wälder. Wir rollten nahezu allein auf ihr entlang. Immer wieder Kreuze zum Gedenken an jene, die ihr Ziel nie erreicht haben. Die einsame Gegend begrüßte uns mit Melancholie. Ungeduldig erwarteten wir, endlich anzukommen.

Feiertagstreiben
Ueckermünde hielt Mittagsruhe. Bald waren die Sehenswürdigkeiten erschlendert, die Hafenpromenade führte uns zu Rosis Fischoase. Unter dem Vordach wurde gefeiert. Himmelfahrt, Männertag, erster Mai. Die gesellige Runde saß offenbar schon einige Zeit beieinander und war gerade dabei, Nachschub zu ordern. Die mit grünen Zweigen geschmückten Fahrräder würden sich gedulden müssen. Man kannte sich. Die Grüße von Passanten wurden fröhlich und mit einladender Geste erwidert.

Wir blieben, bestellten, schauten dem Trubel zu. Weil der Andrang groß war, mussten wir warten. “Ein paar Minuten noch.” Die Verkäuferin signalisierte mit freundlichem Wink, uns nicht vergessen zu haben. Dann hielten wir unsere dampfenden Teller in den Händen, wechselten vom Stehtisch auf die Bank. Die riesigen Portionen sahen nach Arbeit aus, doch der leckere Fisch lohnte die Mühe. “Guten Tag.” Wir rückten ein Stück, begegneten offenen, aufmerksamen Blicken. Nette Leute hier. “Auf Wiedersehen.” Wieder blickte man einander in die Augen und nahm die Erwiderung des Gegenübers entgegen. Lächeln. Nicken. Es war angenehm und ungewohnt, wie bewusst man hier voneinander Notiz nahm, obwohl man doch nur einige Minuten lang am gleichen Tisch gegessen hatte.

Blick übers Haff
Im Stadtbad am Haff hatten sich unter der Krone eines großen Baumes am Strand die Nachwuchs-Männer versammelt. Sie übten sich im Feiern ihres vermeintlichen Ehrentages. Dabei durften Apfelkorn und kichernde Mädchen nicht fehlen. Alle strengten sich lautstark an, möglichst erwachsen zu wirken. So ungeduldig waren wir einst auch und deshalb gingen wir nachsichtig vorbei.

Der Umkleide-Pavillon am Uferweg stimmt nostalgisch. Er mag wohl schon zur Kaiserzeit hier gestanden haben, als Badeanzüge noch bis zu den Ellenbogen und Knien reichten. Ich musste an Oskar mit der Blechtrommel denken, wie er in einer der Strandkabinen vielleicht gerade auf einem Bauchnabel Brausepulver mit Spucke mischt.

Am Ende des Strandbades mündet die Uecker ins Haff. Kleine Boote tuckerten vorbei. Wir ließen uns vom Wind eine Weile das Haar zerzausen, gingen an die Spitze der Mole, blickten über das Grau der Wellen. Am Horizont Usedom, unser nächstes Ziel.

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