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Es geht doch: Zu einem Feuerwerk gehört Barock-Musik. Am besten Händel, der mit den Blicken auf die funkelnden Ornamente auch die Gedanken und Stimmungen in den Himmel zieht. Zu 20 Jahren Maueröffnung gehört ein Ort mit Symbolkraft. Für die Potsdamer ist das die Glienicker Brücke, am Dienstag in eine blaue Aura aus Licht gehüllt. Zu einem Fest gehören Menschen, die in freundlich aufgeräumter Laune und dicht gedrängt die Brücke in Besitz nehmen. Und nicht zuletzt braucht es ein ausgewogenes, unaufdringliches Programm, das die Besucher zu Erinnerungen und Emotionen inspiriert und ihnen Raum lässt, sich auch ganz persönlich zu besinnen, auf diesen geschichtsträchtigen Tag vor 20 Jahren.

Ein schöner Abend, dem Anlass angemessen. Im Alltag braust der Verkehr zwischen Potsdam und Berlin. Heute jedoch wird die unscheinbare weiße Linie auf der Mitte der Glienicker Brücke wieder als einstige Grenzmarkierung fühlbar, denkt man an das Davor und Danach. "Es ist, als habe jemand das Fenster aufgestoßen", hatte Heym 1989 bei der Großdemo auf dem Alexanderplatz gesagt. Da stand die Mauer noch. Erst als sie fiel, hatte das dumpfe Leben auch Türen bekommen. Fenster und Türen, beides war nötig: eine frische Brise und Wege hinaus in die Welt. Für die Jüngeren sind es inzwischen schaurig unvorstellbare Geschichten, dass hier bewaffnete Posten patrouillierten und Agenten ausgetauscht wurden. Und sie nehmen es als Kuriosum wahr, dass bei genauem Hinsehen die Stahlkonstruktion der Brücke in zwei Farbnuancen gestrichen ist - denn auch sie hatte eine Ost- und eine Westseite.

Das Jubiläum des Mauerfalls ist ein guter Grund zum Feiern. Doch man muss als Veranstalter auch ein glückliches Händchen dafür haben. Zwei Tage zuvor, am Sonntag, gab es in Teltow das "Fest ohne Grenzen". Mit Teltow verbindet mich einiges. Als die Stadt noch Zentrum einer Industrie-Region war, habe ich hier meine Ausbildung gemacht und einige Jahre gelebt. Von der Teltower Altstadt zum Teltowkanal zu gehen, hat schon etwas Besonderes, wenn man sich daran erinnert, wie damals gleich hinter den Häusern die Welt zu Ende war. Seltsam, wie man diese paradoxe Situation damals als gegeben nahm und von der Brücke nach Kleinmachnow aus den Schiffen auf dem Kanal nachschaute, wie sie hinter der Grenze in Berlin verschwanden.

Das Festgelände am Sonntag erstreckte sich entlang des ehemaligen Mauerstreifens, reichte bis an die Knesebeckbrücke und nach Zehlendorf hinüber. Auf der Zehlendorfer Seite hatten Vereine ihre Stände aufgebaut, ziemlich weit abseits vom Trubel vor der großen Bühne, wie ich fand. Insgesamt herrschte Kirmesstimmung vor: viele Buden und Verkaufsstände, irgendwie wie ein vorgezogener Weihnachtsmarkt. Während eine Coverband Westernhagens "Freiheit" intonierte gönnten wir uns einen Glühwein. Ein schaler, handwarmer Genuss zu stolzem Preis. Schade eigentlich, dass sich der ganze Nachmittag irgendwie abgestanden anfühlte. Außer Krach und vielen Ständen, an denen die Leute vorbei schlenderten, war nichts los. Vor der Knesebeckbrücke gab es noch die unvermeidlichen Ost-Klischees: Trabant und Sandmännchen. Vielleicht waren wir zur falschen Zeit gekommen, jedenfalls blieben wir nicht lange.

Auf dem Rückweg - der Sonntag-Nachmittag war ja noch jung - machten wir einen Abstecher an die Glienicker Brücke. Ich hatte gehört, dass die Villa Schöningen mit viel Prominenz als Gedenkstätte eingeweiht werden sollte. Wir mischten uns ein wenig unter die Schaulustigen, erhaschten einen Blick auf Merkel, Genscher und Gorbatschow. Erstaunlich, wer sich alles einfand, zur Eröffnung eines Privat-Museums. Politik, Medien und Wirtschaft - eine bunte Melange aus Häppchen-Essern und Sekt-Nippern. Sie bevölkern eine eigene Welt und sind sich selbst genug. Der Spaß und der Aufmarsch der Erlesenen sei ihnen gegönnt.

Gut dass es den Dienstag noch gab, mit dem Bürgerfest auf der Glienicker Brücke. Das Fest versöhnte mich, auch mit der Spielshow am Brandenburger Tor am Tag zuvor, als zur allgemeinen Verwunderung Bon Jovi vor den versammelten Staatsgästen seine neue Single vorstellte. Das hab ich zum Glück nur im Fernsehen gesehen und konnte wegschalten, wenn es ganz zäh und peinlich wurde.

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Das war ein echt toller Post und ich bin wirklich froh die Home Page über Yahoo gefunden zu haben.
Zusammenfassend ist zu sagen das ist ein lesewerter Weblog und wir freuen uns weiteres zu lesen.
Danke vielmals!
Viele Grüße
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