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Georgioupolis war unser Ferienort auf Kreta. An der Strandpromenade, am Hafen und auf dem Dorfplatz hat die, in vielen Urlaubsregionen inzwischen unvermeidliche, Bimmelbahn ihre Haltepunkte. Wir schauten uns bei einem Spaziergang die Tafel mit den Zielen der Rundfahrten an. In wenigen Minuten sollte eine Bahn zum Kournas-See hinauffahren. Die Verkäuferin blickte erwartungsvoll, ein Touristenpärchen ermunterte uns - unser blasser Teint hatte wohl verraten, dass wir Neulinge waren - und empfahl die Fahrt: Kournas ist der einzige Süßwassersee Kretas, sehr hübsch gelegen, es gibt viele Schildkröten dort, es lohnt sich.

Das pastellgrüne Spaßmobil kam angerumpelt, wir stiegen ein und mit fröhlichem Hupen begann die Fahrt, quer durch den Ort und dann die Hänge hinauf. Der See, in einer Talmulde vor steilen Bergwänden, war größer als wir erwartet hatten. Tavernen, Souvernirläden und Keramikhändler säumten den Weg zum Ufer. An der Badestelle wollten wir prüfen, ob der Bergsee so kalt ist, wie wir vermuteten, da wurden wir schon mit dem Angebot bedrängt, doch ein Tretboot zu mieten. Die weißen und gelben Gefährte mit Sonnendach fuhren zu Dutzenden auf dem See herum. Wer die Schildkröten sehen wollte, musste zur Uferböschung auf die andere Seite hinüber - also trampelten wir mit.

Es dauerte eine Viertelstunde bis wir den See überquert hatten. Wie die anderen Tretbootkapitäne patrouillierten wir an den Absperrbojen und Seilen entlang. Dann endlich sahen wir sie: Drei Schildkröten sonnten sich mit weit gereckten Hälsen auf einem Stein am Ufer. Wir wollten etwas näher heran, traten in die Pedalen, machten den Fotoapparat bereit. Doch das Manövrieren war gar nicht so leicht. Das Boot trieb nach rechts ab, wir drohten in die Büsche zu driften, das Gegensteuern misslang. Die Schildkröten beobachteten uns teilnahmslos. Wir fuhren ein Stück rückwärts, machten einen weiteren Versuch, kamen näher heran.

Der ersten Schildkröte waren wir nicht mehr geheuert. Sie verließ der Mut und plumpste ins Wasser. Jetzt schnell knipsen, bevor die anderen auch weg sind. Das Boot war zu schnell. In wenigen Sekunden würden wir keinen Zoom mehr brauchen. Alles drohte darauf hinaus zu laufen, dass wir die Sonnenbank der Tiere über den Haufen fahren würden. Die Schildkröten flüchteten ins Wasser. Wir stießen gegen ihren Stein, mussten die Zweige der Büsche abwehren und hingen am Ufer fest. Eine gänzlich missglückte Begegnung von Mensch und Tier.

Wir befreiten uns und fuhren langsam auf den See zurück. Unser Manöver hat Aufmerksamkeit erregt und einige Tretboote steuerten auf uns zu. Gab es hier etwas zu sehen? Turtles? Hier sind keine, gaben wir Auskunft. Jetzt nicht mehr.