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Das Wasser stand hoch in diesem Sommer. Als wolle die Spree aus ihrem Bett steigen, waren Ufer und Stege überspült, stand die Nässe auf den Wiesen, sauste der Fluss dahin. Aber greifen wir nicht vor: Wir waren in Schlepzig, dem Tor zum Unterspreewald, an einem schönen Tag, der immer wieder von Schauern erfrischt wurde.

Wohl dem wechselhaften Wetter geschuldet, waren nicht viele Besucher im Ort. Wir fanden problemlos einen Parkplatz, spazierten ein wenig durch das Dorf und gönnten uns einen Kaffee im Freien, in der Nähe des Kahnhafens. Die Anzahl der Tische und Bänke deutete darauf hin, dass man hier ganz anderen Ansturm gewohnt ist. Die Verkäuferin war schlecht gelaunt, wohl, weil sie heute trotzdem arbeiten musste und dann auch wirklich noch Kundschaft kam. "Was muss ich tun, um beachtet zu werden?", fragte ich sie, nachdem sich nach einigem Warten ihre Stimmung auf mich übertragen hatte.

Ein hübsch angelegter See mit Liegewiese und Holzbrücken in einer parkähnlichen Wiesenlandschaft, über der gerade die Sonne lachte, lockte uns an. Nach wenigen Schritten durch das Gras mussten wir die Schuhe ausziehen. Gurgelnd quoll Wasser aus dem weichen Untergrund, in dem wir knöcheltief versanken. Wir gingen in einen Weidendom, dessen Dach das Licht zerstäuben ließ, und wanderten dann auf einige Kühe zu, die uns mit unbeteiligtem Blick und träger Kopfbewegung registrierten. Ein Greifvogel flog über unsere Köpfe hinweg, ehe wir ihn erkennen und benennen konnten, war er hinter den Bäumen verschwunden.

Würde das sonnige Wetter die nächste Stunde halten? Die Wolken zogen schnell und sahen schwer beladen aus. Doch man kann nicht in Schlepzig gewesen sein, ohne eine Kahnfahrt gemacht zu haben. Der Unterspreewald ist Biosphären-Reservat, erklärte der Kahnführer. Die Eingriffe des Menschen in die Natur sollen schrittweise wieder rückgängig gemacht werden, damit der Spreewald hier wieder seine Ursprünglichkeit entfalten kann. Wer den Spreewald von Kahnfahrten in Lübbenau und anderswo kennt, wird erstaunt sein. Keine Grundstücke, Gärten, Häuser und Stege säumen hier den Weg, sondern wirklich nur die Natur. Spärlich sind die Spuren menschlichen Einwirkens an den Böschungen, keine Felder sind zu sehen, sondern Urwald, wuchernde Büsche, abgeknickte Bäume. Mit ein wenig Vorstellungskraft meint man, den Amazonas auf einer Entdeckungsreise zu durchfahren.

Eine Ringelnatter kreuzte unseren Weg, wir mussten uns ducken, um einem herabhängenden Ast auszuweichen. Spreewaldidylle ringsum, von der unser Kapitän in vielen Anekdoten zu erzählen wusste.

Um über den Puhlstrom zu setzen, gewissermaßen eine Schnellpiste für das Spreewasser, musste der Motor angeschaltet werden, damit wir der beeindruckend schnell fließenden Strömung entkommen konnten. Unerwartet deutlich trieben wir ab, als seien wir in Stromschnellen geraten, doch schon nach wenigen Metern wurden die Spree und ihre Fließe wieder beschaulich. Die schöne, imposante Rundfahrt endete an ihrem Ausgangspunkt im Dorf. An einem Hofladen kauften wir uns noch spreewald-aromatische Tomaten für das Abendessen und es begann erst zu regnen, als wir schon wieder im Auto saßen und uns auf den Heimweg machten.