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Kulturlandschaft, Park, Naturschutzgebiet und Welterbe - ohne Zweifel ist die Pfaueninsel eine ganz besondere Insel. Einst wurden auf ihr Kaninchen gezüchtet, dann beherbergte sie Alchemisten und Glasmacher. Später verwandelte sie sich in ein königliches Refugium, in dem Königin Luise einige Sommer verbrachte, gemeinsam mit Pfauen und anderen exotischen Tieren, und sich, gleich ihnen, in der Abgeschiedenheit ein wenig eingesperrt fühlte. Heute ist die Pfaueninsel ein beliebtes Ausflugsziel für die Berliner, mit Platz zum Durchatmen, mit Nähe zur Natur und gleichzeitig umgeben von der romantischen Ästhetik eines Landschaftsgartens.

Eine Fähre ist der einzige Zugang zur Pfaueninsel. Bei schönem Wetter bugsiert sie die Besucher in Hundertschaften über den schmalen Havelarm. Doch es besteht keine Grund, am Ziel eine übervölkerte Enge zu fürchten. Auf fast 70 Hektar verteilen sich die Gäste schnell auf den reich verästelten Wegen. Weil die Pfaueninsel gleichzeitig Park und Naturschutzgebiet ist, gibt es einige Restriktionen, die man kennen sollte: So dürfen Fahrräder und Hunde nicht mit auf die Insel, es herrscht dort Rauchverbot und zum Schutz der Pflanzen und Tiere dürfen die Wege nicht verlassen werden.

Die Verlockung ist groß, für eine kleine Pause nicht nur die Bänke oder die ausgewiesene Liegewiese zu nutzen. Überall gibt es idyllische Plätzchen und famose Kulissen, an denen man verweilen möchte und die geradezu danach rufen, einen Blick ausgiebiger zu genießen und sich unter der Krone einer Eiche auszustrecken. Ein Angestellter mit Dienstfahrrad war bei unserem Besuch deshalb unermüdlich unterwegs, verzückte Pärchen aus dem Wiesengras zu vertreiben und Familien mit ihrem Picknickkorb von der Lichtung auf die Liegewiese zu schicken. Nicht jedem erschloss sich sofort, dass seine Wanderschuhe abseits der Wege eine Gefahr für seltene Blumen und Käfer sind.

Es ist das Spannungsverhältnis von inszenierter Landschaft und ursprünglicher Natur, das einen Spaziergang auf der Pfaueninsel zu einem abwechslungsreichen Erlebnis macht. Zwischen imposanten Baumriesen liegen tote Äste, alte Eichen sind zu eindrucksvollen Skulpturen erstarrt. Hinter jeder Wegbiegung ändert der Park seinen Charakter, wird zum Garten, zum Wald, zum Feld, zum Sumpf. Alles verbunden durch Sichtachsen und kunstvoll platzierte Bauwerke. Wer sich bei seinem Rundgang auf die Wege am Havelufer beschränkt, hat einen völlig anderen Blick auf die Insel als die Spaziergänger auf dem Mittelweg zwischen Schloss, Springbrunnen und Voliere. So ist die Insel gut für neue Eindrücke und Überraschungen bei jedem Besuch.

Als die Pfaueninsel ihre heutige Gestalt bekam, waren Klassizismus und Romantik angesagt: Die Meierei im hinteren Teil der Insel ist einer gotischen Klosterruine nachempfunden. Von dort geht der Blick über eine sumpfige Niederung hinüber zu einem antiken Portikus, dessen Säulen sich an den Waldrand schmiegen. Weniger verspielt, mit klaren Konturen und stolzen Zinnen prägt das Kavaliershaus eine großzügige Lichtung und blickt mit vielen Fenstern zur Havel hinüber. Höhepunkt und Wahrzeichen der Insel ist jedoch das Schloss, im Stil einer verfallenen römischen Villa. Die beiden Türme und die Fassade sind strahlend weiß getüncht, einerseits um sie über die Havel hinweg bis zum Neuen Garten nach Potsdam grüßen zu lassen, anderseits um der hölzernen Verkleidung die Illusion soliden Marmors zu verleihen.

Man steht hier gewissermaßen am Bug der Insel mit Blick bis zum Jungfernsee hinüber. Auf der bewaldeten Anhöhe am gegenüberliegenden Ufer ist das russische Blockhaus Nikolskoe zu sehen, daneben die Kirche St. Peter und Paul mit ihrer kleinen Zwiebelkuppel, die immer mal wieder mit ihrem Glockenspiel von sich hören macht.

Und wer wurde noch gar nicht erwähnt? Die Pfauen. Natürlich gibt es sie: Sie rufen, laufen zwischen den Rabatten herum, zeigen ihr prächtig blaues Halsgefieder. Beim Radschlagen halten sie sich vornehm zurück, sind jedoch das Fotografieren gewohnt und verlieren hin und wieder eine Schwanzfeder, die dann die stolzen Finder wie Trophäen vor sich her tragen.