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Ich kannte Diedersdorf als ländliches Ausflugsziel. Ein verschlafenes aber aufgeräumtes Dorf südlich von Berlin, mit hübscher Kirche, einem kleinen Museum und einem rundum sanierten Gutshof, dessen Schloss heute als Hotel dient. Die Wirtschaftsgebäude, Ställe und Scheunen am Schloss Diedersdorf wurden für Veranstaltungen und Gastronomie hergerichtet, es gibt Läden, Verkaufsbuden und einen großen Biergarten mit Blick auf Wiesen und Weiden, durch die Wanderwege führen.

Eigentlich beste Voraussetzungen für einen gastfreundlichen Ort, um nach einem Abstecher in die weithin bekannte “ Musikantenscheune” einige entspannte Stunden in der Natur zu verbringen. Soweit mein verklärtes Bild von Schloss Diedersdorf. Bei meinem letzten Besuch ist es auf einen Streich in Scherben gefallen. Die dreiste Abzocke, die schon an Wegelagerei erinnert, hat mich mehr als verärgert. Dieser Eintrag ist der erste in meinem Blog, der vom Besuch eines Ausflugsortes abraten wird.

Am Rande von Diedersdorf gibt es für die Besucher einen großen Parkplatz, von dem aus ein Spaziergang von knapp zehn Minuten zum alten Dorfkern und dem Gutsgelände führt. Er ist sinnvoll, um die Dorfstraße von den Fahrzeugen der Gäste zu entlasten und wird gebraucht, weil Schloss Diedersdorf nur unzureichend mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist. Jedenfalls von Potsdam aus. Der Parkplatz ist nicht mehr als eine grob befestigte Fläche mit ausgefahrenen Zufahrten, doch die Vielzahl der Wochenendgäste will geregelt sein. So steuerte auch ich an einem Sonntag im Juli zielstrebig darauf zu und erlebte die erste Überraschung. Die Einfahrten waren, bis auf eine, mit rot-weißem Absperrband verschlossen. Ob es daran lag, dass die Grasflächen vom Regen aufgeweicht waren und die Mulden sich in ansehnliche Pfützen verwandelt hatten? Falsch gedacht. Kaum bogen wir in die einzig verfügbare Zufahrt, sprang ein junger Mann aus einem Auto und stellte sich in den Weg. Ich ließ die Scheibe herunter. “Was machen Sie denn hier?”, fragte ich verwundert. “Zwei Euro kassieren”, antwortete er und spontan vermutete ich einen frechen Streich. Doch er trug ein T-Shirt, auf dem “Schloss Diedersdorf” zu lesen stand und hatte eine Rolle mit Abreißmarken in der Hand.

Bei früheren Besuchen war das Parken kostenlos. Dies halte ich weiterhin für durchaus gerechtfertigt, denn Schloss Diedersdorf hält vor allem Angebote bereit, die den Gastronomen und Händlern Geld in die Kassen spielen sollen. Jetzt bereits an einer flattrig improvisierten Zufahrt eine Gebühr kassieren zu wollen, empfand ich als ungehörig. Es gibt elegantere und freundlichere Wege, Gäste zum Verweilen und Geld ausgeben zu animieren.

Wer nur kurz einmal schauen möchte, ob ein Besuch lohnt und welche Qualitäten dieser Ausflugsort bereithält, hat keine Wahl. Es gibt keine Alternativen, nicht einmal Kurzzeitparkplätze für Neugierige. Das ganze Dorf ist eine einzige Halte- und Parkverbotszone. Selbst wer nur für Minuten aussteigt, um vielleicht eine Toilette zu nutzen oder sich nach den Öffnungszeiten eines Restaurants zu erkundigen, kann sicher sein, einen Strafzettel auf der Windschschutzscheibe zu finden. Im Ort kreist nämlich ein Beauftragter der Gemeinde Großbeeren, zu dem das Dorf Diedersdorf gehört. In einem weißen Kleinwagen mit Wappen auf der Tür ist er zur Stelle, sobald ein Motor abgestellt wurde. So kann man auch für einen Ausflugsort werben: Herzlich Willkommen, lieber Gast, du bist uns in die Falle gegangen und in wenigen Tagen bitten wir dich zur Kasse. So bleibt von Diedersdorf vor allem die moderne Wegelagerei in Erinnerung.

Wahrscheinlich wären die zwei Euro Parkgebühr schnell verschmerzt, wenn das Gutsgelände um Schloss Diedersdorf versöhnlich stimmen würden. Doch es schien eher so, als wolle man sich erst einmal ein paar Münzen von den erwartungsvollen Besuchern sichern, bevor die Ernüchterung zuschlagen konnte.

An diesem Sonntag empfing uns Ödnis. Der Gutshof war für Pflasterarbeiten großflächig aufgerissen. Wieder begegneten wir dem rot-weißen Absperrband, die Bagger und Arbeitsgeräte waren direkt neben der Außenterrasse eines Restaurants abgestellt. Einige Besucher trotteten umher, schauten durch die Fenster der verschlossenen Markthalle. In der Musikantenscheune waren die Spuren einer vergangenen Veranstaltung und ein provisorisch abgeräumtes Buffet zu sehen. Einige Läden und die Restaurants hatten geöffnet, die Verkaufsstände waren mehrheitlich geschlossen.

Hinter Schloss Diedersdorf der Biergarten. Einige Tische waren besetzt, meist von Radfahrern, die hier auf ihrem Ausflug eine Rast einlegten. An einem Verkaufsstand gab es Bier, Haxe, Bulette und Co. Deftige Gerichte und ebensolche Preise. Mager blieb der Service. Bestes Selbstbedienungsflair einer Freiluftkantine, bei der an Freundlichkeit und Servietten gespart wurde. Die Geschirrrückgabe erfolgte in neben den Tischen aufgestellte Stapelkisten, die erst abgeräumt wurden, wenn der Weg für das Personal sich auch lohnte und alle Fliegen und Wespen satt waren. Auch für die Spatzen war gesorgt. Sie labten sich an den zurückgelassenen Krümeln auf den Tischplatten, die nur sporadische Bekanntschaft mit einem Lappen kannten, und, einmal abgelegt, Unterarme nur widerwillig wieder hergeben mochten.

Und um diese Idylle abzurunden, konnte man sich immer wieder vom Blick auf die Landschaft lösen, um seine Fähigkeiten im Erkennen von Flugzeugtypen zu trainieren. Mit bereits ausgefahrenen Rädern strebten sie mit lautem Turbinendröhnen der nahen Landebahn des Flughafens Schönefeld entgegen.

Unzulänglichkeiten gibt es immer und es gab sie schon bei meinen früheren Besuchen beim Schloss Diedersdorf. Doch wenn so vordergründig erkennbar ist, dass es nur darum geht, den Gästen die Taschen zu leeren, sinkt diese Toleranzschwelle erheblich. Ich fühlte mich einfach nur abgezockt. Dabei ist es so einfach, einen Gast zu umwerben. Mir genügt ein Minimum an freundlichem und entgegenkommendem Service und ich bin sogar zu einem guten Trinkgeld bereit. Es gibt viele Ausflugsziele, die jeden für Genuss und Unterhaltung ausgegebenen Euro wert sind. Schloss Diedersdorf zählt vorerst nicht mehr dazu.

7 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Kürzlich war ich auch, an einem Sonntag zum 1. Mal im Schloß Diedersdorf und fuhr, da ich mich nicht auskannte, mit dem Navi direkt vor das Schloß. Dort war der Hinweis, dass es im Schloß keine Parpplätze gibt und man solle doch auf den großen Parkplatz am Ortseingang zurückfahren.
Na gut, rechts auf die Dorfstraße abgebogen, auf der auch alle 25 m ein Halteverbotschild steht, doch siehe da, gegenüber hielten Autos (alle Berliner Kennzeichen) und auf der anderen Seite weit und breit kein Verbotsschild. An der nächsten Einfahrt gewendet und rein in die gesichtete freie Parklücke.
Am Abend war das Schreiben wegen Falschparkens an der Windschutzscheibe. Völlig überrascht fuhr ich die Dorfstraße zurück um ein Halteverbotsschild zu finden und wurde ca. 400 m dahinter fündig "eingeschränkte Halteverbotszone" nur gültig Samstags, Sonntags und an Feiertagen!
6 Tage später kam der Verwarnungsgeldbescheid der Gemeinde Großbeeren über 15,00 EUR.
Als Neuberliner kann ich nur sagen Auf Nimmerwiedersehen Diedersdorf und Großbeeren, das ist moderne Wegelagerei! Man sollte den Ort wirklich boykottieren und im freundlicheren Berlin bleiben.

Anonym hat gesagt…

Genauso ist es uns als "Altberliner" heute auch gegangen. Mindestens was die Verkehrsführung anbelangt eine einzige geplante Abzocke. Auch wir werden diesen Ort künftig meiden und wünschen den Verantwortlichen viel Freude an dem irgendwann kommenden Flugbetrieb (BER)aber vieleicht schaffen die es ja auch noch, ihre dubiosen Verkehrregelungen senkrecht nach oben zu erweitern!

Anonym hat gesagt…

Bin gestern auch Opfer der Ticket-Mafia bei Schluß Diedersdorf geworden. Ohne zu erkennen, daß man etwas falsch macht, tappt man in die Falle. Wer setzt diesem Treiben dieser widerlichen Mafia endlich ein Ende ????

Anonym hat gesagt…

Wir sind ebenfalls Opfer von der Abzocke geworden. Im ganzen Ort Parken verboten und am Eingang schnell mal 2.50 Euro kassiert und das für einen unbewachten Parkplatz. Es befindet sich auch kein Hinweis darauf,daß das Parken überhaupt gebührenpflichtig ist. Was machen die Leute an gut besuchten Wochenenden, wenn gar kein Parkplatz mehr vorhanden ist? Wem gehört eigentlich der Parkplatz?

Anonym hat gesagt…

Schade bin gestern auch drauf rein gefallen und darf 25,- zahlen.... Zum kotzen!!!

Anonym hat gesagt…

Wie unglaublich viel Zeit manche Zeitgenossen haben müssen, wegen 2 Euro so einen Text zu schreiben...

Du glaubst doch nicht allen ernstes, dass gerade Du zum Geldausgeben animiert wärst, und in der Gastronomie dort auch nur einen Cent lassen möchtest, wenn Du Dich schon beim Parken über 2 Euro beschwerst.
Wahrscheinlich hast Du auch Thermoskanne und Stullen dabei, um bloss kein Geld auszugeben...

Im Juli erreicht man Diedersdorf von Potsdam aus auch gut mit dem Fahrrad, nur als kleiner Tipp, um auch noch Benzingeld zu sparen.

Mich stört die Parkgebühr nicht, die obligatorisch ja fast auf jedem Parkplatz gefordert wird. In Potsdam zahlt man auch überall Parkgebühr und Knöllchen können Sie noch besser verteilen. Da müsste das Geschäftsleben dort ja schon brach liegen, wenn das abschrecken würde.
Ich habe in Diedersdorf schon viele Veranstaltungen besucht und kann Deinen Unmut nicht nachvollziehen.

Viel Spass mit Deinem Taschen-Igel-Blog...

S.P. aus DD

Unknown hat gesagt…

Leider sind wir auch abkassiert worden. 25.00 Euro wegen Falschparkens. Warum darf man in der Woche dort parken und an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen nicht? Und wenn eine parkverbotszone besteht warum nur an einer Seite der strasse das Schild "paekverbots zone" und nicht auch auf der anderen Einfahrt vom schloss her? Eindeutige Abzocke.