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Erhaben präsentiert sich die Saar nahe Mettlach. Sie windet sie sich um einen Bergrücken, den sie selbst mit unvorstellbarer Ausdauer aus der Landschaft gewaschen hat. Nun fließt sie ruhig durch ein tiefes Tal mit bewaldeten Hängen und arbeitet bis in alle Ewigkeiten weiter an ihrem Bett. Mit Fug und Recht zählt die Saarschleife zu den bekanntesten Ausflugszielen des Saarlandes. Den zweifellos schönsten Blick bietet der Aussichtspunkt Cloef, von dem aus man die weit gestreckte Schlaufe im Flusslauf betrachten kann. Ein Panorama, das jeden sofort zum Fotoapparat greifen lässt.

Ich war vor rund einem viertes Jahrhundert schon einmal hier, als sich die Wälder herbstlich färbten. Ich hatte meiner Frau davon vorgeschwärmt und nun wollte ich ihr die Aussicht zeigen. Ich konnte mich erinnern, dass ich beeindruckt war - an den Weg dorthin aber nicht. In Mettlach sahen wir Hinweisschilder zur Saarschleife, doch gleich kam mir die Sache falsch vor. Der Weg führte hinunter ins Tal und nicht in die Bergflanken hinauf. Das konnte nicht stimmen und so war es auch: Die Straße endete am Ufer der Saar an einem Fähranleger. Hier hätten wir das Auto parken und zu einer ausgedehnten Wanderung aufbrechen können. Eine Info-Tafel empfahl eine Route zur Burgruine Montclair. Auch nicht schlecht, aber erstens ein stattliches Stück Weg und zweitens unerreichbar auf der anderen Flussseite, denn die Fährsaison hatte noch nicht begonnen. Unser eigentliches Ziel war auf der Tafel mit einem Punkt gekennzeichnet, doch der Weg dorthin war nicht erkenntlich. "Cloef" war das Wort, dass wir uns merken und nach dem wir Ausschau halten mussten. Also zurück und neu angesetzt.

Nachdem wir wussten, dass der Aussichtspunkt Cloef heißt, wurde die Anfahrt zum Kinderspiel. Saarschleife unten, Panoramablick oben - das war doch logisch. Und Hinweisschilder standen plötzlich überall. Cloef befindet sich nahe Orscholz, einem Stadtteil von Mettlach, hoch oben, nahe dem Berghang am Scheitelpunkt der Saarschleife. Hier gibt es einen riesigen Parkplatz und ein etwas überdimensioniert geratenes Besucherzentrum, das Cloef-Atrium. Das war schon ein wenig anders als der unbefestigte Wendeplatz, auf dem ich dereinst aus dem Bus gestiegen war.

Zum Aussichtspunkt war es von hier nur noch ein kurzer Spaziergang mit hübscher Dramaturgie. Erst ging es wie durch einen Park, mit befestigten Wegen und Bänken. Der Rasen war von Schnee überpudert, ein letztes Aufbäumen des Winters, schließlich war schon Mitte März. Vor den Waldrand gestellt die aus grün getünchten Brettern genagelte Ermunterung: "Locker bleiben". Dann schlängelt sich der Weg zwischen die Bäume, die als Sichtbarriere den großen Moment hinauszögern, wenn man wie auf eine Tribüne heraustritt. Plötzlich prescht der Blick in die Weite - und lenkt ab von den Stufen, die zur Schutzhütte hinabführen. Den unvermeidlichen Stolperer nahm ich aber nur am Rande wahr, alle Aufmerksamkeit galt jetzt der vor mit ausgebreiteten Welt.

Auf der Plattform vor der Hütte, hoch über dem Tal, fühlt man sich wie auf einem Balkon. Beide Flanken der graziösen Windung der Saar sind einsehbar und der Blick geht weit über die Landschaft bis zu einem fernen Horizont. Hier lässt es sich Verweilen und über die Winzigkeit der menschlichen Existenz nachsinnen. Die Natur verweist uns auf die Plätze und zeigt uns, dass sie mit einem viel größeren Plan beschäftigt ist.

Unser Besuch an der Saar fällt mit einer Zeit zusammen, in der ich mich die Vorboten einer bösen Krankheit zu beschäftigten. Vielleicht machten mich die Sorgen und Ängste, die mich unausweichlich als Reisegepäck begleiteten, besonders sensibel dafür, die ewige Schönheit dieses Panoramas zu genießen. Wie für mich gemacht erschienen mir auch der Galgenhumor von Wilhelm Busch, deren Verse auf einer Platte an der Innenwand der Hütte befestigt waren. Passend dazu als Wetterhahn auf dem Dach die Katze, die dem arglosen Vögelchen auf der Spitze ans Leben will.  

Wer das Saarland besucht, sollte sich einen Abstecher an diesen imposanten Ort nicht entgehen lassen. Der Ausblick ist wirklich einmalig und wird fortan garantiert zu den unvergesslichen Erinnerungen zählen.