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Ein Weihnachtsmarkt ist wohl in jeder deutschen Stadt Tradition und viele davon haben sich eine große Anziehungskraft erarbeitet. Warum also über den Weihnachtsmarkt in Nürnberg reden? Weil er, bei aller Konkurrenz, etwas Besonderes ist und wohl auch die Vorstellung in der Welt, was Weihnachten hierzulande ist, maßgeblich beeinflusst hat. Und alle Welt nimmt jährlich in Augenschein, wie sich die gesamte Altstadt in ein heimeliges und geschäftstüchtiges Weihnachtsland verwandelt. Nun wollten wir hier also auch einmal Vorfreude tanken.

Ein Weihnachtsmarkt ist ein Weihnachtsmarkt, der in Nürnberg jedoch zählt zu den ältesten. Fast vierhundert Jahre gibt es ihn schon und fast meint man, viele der heutigen Festtagsbräuche und das Bescheren überhaupt seien hier erfunden worden. Und außerdem: Hier geht es nicht, wie weiter nördlich, um den Weihnachtsmann sondern das Christkind. Ein Chriskindlesmarkt ist unstreitig bereits begrifflich viel näher am eigentlichen Ursprung des Festes. Und den Rauschgoldengel ohne Arme als Symbol, den vor Jahrhunderten ein Puppenmacher der Stadt für seine kranke Tochter gebastelt haben soll, gibt es nur hier. Engel und Christkind sind zur Personalunion verschmolzen, wenn ein Christkindmädchen mit goldenen Flügeln vom Balkon der Frauenkirche das Markttreiben eröffnet.

Bei unserem Besuch in Nürnberg tauchten wir zum ersten Mal direkt hinter der wuchtigen Stadtmauer in den Weihnachtstrubel. In einem mittelalterlich wirkenden Gassenzirkel ist der Handwerkerhof angesiedelt. Hübsche kleine Häuser, festliche Dekoration, Kunsthandwerk, Geschenke, Bratwurst - ein stimmiges Wohlfühlangebot.

Die ganze Königstraße zum Hauptmarkt entlang reihten sich die Buden. Straßenkünstler und Händler sorgten für die Einstimmung auf die ultimative Ansammlung von Verkaufsständen auf dem zentralen Markt. Dicht gedrängt reihen sich die Dächer der Stände. Zu einem zähen Strom komprimiert treiben die Menschen an ihnen entlang. Nürnberger Bratwurst, Nürnberger Lebkuchen, Glühwein, Zwetschgenmännle, Krippen, Baumschmuck, Spielzeug - wie gesagt, man meint an der Quelle aller Weihnachtsideen angelangt. Klar, auch Käthe Wohlfahrt hat hier ihr Hauptquartier.

Es macht riesigen Spaß, sich hier das Geld aus der Tasche locken zu lassen. Und als sei diese Fülle an Verlockungen noch nicht genug, gibt es gleich nebenan noch einen Markt der Partnerstädte. Wir schauten und konsumierten, bis wir uns satt gesehen und gegessen hatten.

Danach machten wir einen Abstecher zur Kinderweihnacht auf dem Hans-Sachs-Platz. Hier gesellten sich zu den Marktständen auch Unterhaltungsangebote, die nicht nur bei den kleinen Besuchern für Abwechslung und Zerstreuung sorgten. In der Mitte des Platzes ein riesiges altes Karussell, kindgerechte und humorvolle Dekorationen auf den Budendächern, Kerzengießen und vieles mehr. Fast zufällig nahmen wir vom Hans-Sachs-Denkmal Notiz. Mit scheinbar stoischer Gelassenheit ertrug der Dichter und Meistersinger das quirlige Treiben rund um seinen Sockel. Ein paar Tage noch, dann hat er den Platz wieder für sich.

Noch ein Brötchen mit Nürnberger Rostbratwürstchen und ein Becher Glühwein - schon war der Nachmittag verflogen und die Lichter vergoldeten das festliche Ambiente. Fast bekamen wir Lust, uns noch einmal in die Völkerwanderung auf dem Marktplatz zu mischen und die erleuchtete Zauberwelt neu zu erleben. Doch der Bummel über Stunden hatte auch müde gemacht. Wir packten die Glühweinbecher mit Burgsilhouette und Schriftzug "Nürnberger Christkindlesmarkt 2014" in unsere Taschen - zur Erinnerung und als Zeugnis unserer Anwesenheit - und machten uns auf den Rückweg. Vor der Tür des Brauhauses Barfüßer bekamen wir dann doch noch Lust auf eine zünftige Mahlzeit und kehrten ein. Um bei dem Andrang der Interessenten mit der gleichen Idee einen freien Tisch zu ergattern, mussten wir mit verteilten Kräften agieren und hatten schließlich Erfolg. Sitzen, stellten wir fest, ist nach solch einem Tag eine prima Sache.