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Ganz klar, dass ein einziger Beitrag im Blog nicht reicht, um von einem Wochenende in Prag zu erzählen. Dafür sind die Eindrücke einfach viel zu zahlreich. Gut ausgeschlafen, vom Frühstück gestärkt und nach einem kleinen Kampf mit den Tücken des Kaffeeautomaten machten wir uns auf den Weg in die Altstadt. Zwei Mal um die Ecke herum, schon war der Wenzelsplatz erreicht, die Promenade in ganzer Länge abspaziert und die Gassen wurden enger. Wenn man zentral Quartier bezieht ist das alte Prag wirklich eine Stadt der kurzen Wege und vor allem zu sehenswert, um daran nur vorbeizuhuschen.

Es war Samstag und außerdem Ostermarkt. Wo immer es die Straßen und Plätze zuließen, winkten mit bunten Bändern geschmückte Birken bereits aus der Ferne und sie waren umringt von zahllosen Verkaufsständen. Kunsthandwerk, Geschenke, Häppchen und vor allem prächtig verzierte Ostereier wurden dort angeboten. Natürlich zögerte sich unsere Ankunft am Altstädter Ring dadurch etwas hinaus.

Eine kleine Gasse, eng wie ein Nadelöhr, spuckte uns schließlich auf den Platz und wir waren doppelt beeindruckt: einmal von dem Blick auf das Häuserensemble und dann von dem ungeheuren Gedränge, das uns empfing. Es ist wirklich die gute Stube der Stadt, mit erhabenen Türmen, herausgeputzten Fassaden und dem Altstädter Rathaus als alles überragenden Blickfang.

Vor der astronomischen Uhr, dem sechshundert Jahre alten Schmuckstück an der Turmwand, ballte sich die Menschenmenge, flankiert von den Besuchern des Ostermarktes und Hochzeitsgesellschaften, die vor der Rathaustür zum Foto Aufstellung nahmen. Wir waren im besten Moment angekommen, denn in wenigen Minuten sollten, wie zu jeder vollen Stunde, die Glocken schlagen und die zwölf Apostel aus ihren Fensterchen schauen. Schnell noch einen Platz im Gewimmel finden und schon begann der Sensenmann mit seiner knöchernen Hand sein Glöckchen zu läuten.

Nach diesem Schauspiel wollten wir auf den Turm hinauf. Die Gelegenheit schien günstig, denn beim Ticketverkauf standen nicht allzu viele Leute an. Im Inneren des Hauses sah das schon etwas anders aus. Die Schlange der Wartenden zog sich die Stufen des Treppenhauses hinunter, doch die Geduld wurde durch einen wahrhaft imposanten, zurecht als schönsten Blick auf Prag gepriesenen, Ausblick belohnt. Aus fast 70 Metern Höhe lässt sich wohl die ganze Stadt überblicken. In der Ferne die Prager Burg, die sanften Hügel jenseits der Moldau, zu Füßen der Marktplatz, ein geschäftiger Ameisenhaufen, das Jan Hus-Denkmal fast versteckt zwischen den Buden und Bühnen des Ostermarktes. Wir umrundeten den Turm auf dem schmalen Pfad der Aussichtsplattform mit betont langsamen Schritten und gaben das schöne Plätzchen wieder frei für die vielen, die nach uns die kleine Wendeltreppe empor strebten.

Es wäre müßig, an dieser Stelle die weiteren Wege und sehenswerten Orte aufzählen zu wollen. Es gibt auf Schritt und Tritt viel zu entdecken. Den lebendigen Puls und den Hauch der Geschichte muss jeder mit den eigenen Sinnen auf sich wirken lassen. Wenn man jedoch schon einmal da ist, sollte man nicht versäumen, auch dem Platz der Republik, mit dem von Jahrhunderten geschwärzten Pulverturm und dem im Jugendstil erbauten Gemeindehaus, einen Besuch abzustatten. Auch den Kafka-Platz samt Kaffee halte ich für sehenswert und von der Brücke neben dem Rudolfinum-Konzerthaus hat man einen fotogenen Blick auf die Karlsbrücke. Damit sei es genug, auch wenn es mich in den Fingern juckt zu diesem und jenem noch ein paar Sätze mehr tippen zu wollen.

Im Laufe des Nachmittag hatten wir wieder auf die andere Moldauseite gewechselt und setzten uns bei schönstem Sonnenschein in einen Kaffeegarten. Warmer Apfelstrudel mit einem ordentlichen Sahnehäubchen war genau das, was wir jetzt brauchten. Eine gute Weile schauten wir zu, wie die anderen Touristen, mit dem Stadtplan in in der Hand nach Orientierungspunkten suchend oder zielstrebig mit festen Schritten unterwegs waren. Gleich gehörten wir wieder dazu.

Bevor der Tag zur Neige ging und wir uns bei böhmischer Küche und dunklem Bier von unserem Spaziergang erholten, gab es noch eine Zufallsbegegnung, von der ich berichten will. Wir lernten das Prager Jesuskind kennen.

Die Kirche, in der es wohnt, ist auf den ersten Blick etwas unscheinbar. Der Giebel und die Treppe zur Straße sind unspektakulär, im inneren jedoch reihen sich prunkvolle Altäre. Die Kirche gehört zum Orden der Barfüßigen Karmeliter und das zentrale Heiligtum ist das Jesuskind. Eine kleine Puppe aus Wachs, mit einer segnenden Geste der einen und einer goldenen Weltkugel mit Kreuz in der anderen Hand. Ursprünglich, ist nachzulesen, stammt die Figur aus Spanien und ist mehr als vierhundert Jahre alt. Die entscheidende Besonderheit sind jedoch die Kleider des Jesuskindes. Abhängig vom Kirchenjahr wird die Puppe in reich verzierte Gewänder gekleidet und viele Gläubige haben ihr als Dank für erhörte Gebete Kleider geschenkt. In einer Ausstellung in einem Seitenflügel der Kirche können die teils sehr alten Gewänder besichtigt werden. Ein schöner Brauch, den zu verstehen und zu würdigen man nicht zwingend katholisch sein muss.

Unser Besuch im Prag ging am Sonntag zu Ende. Für die letzten Stunden nutzten wir die Metro, um schneller voran zu kommen. Das Metronetz ist übrigens auch wie für die Gäste der Stadt gemacht. Die Umsteigepunkte für einen Richtungswechsel sind gut gelegen und ideal für jeden, dem die Laufarbeit zu beschwerlich wird.

Bei unserer Abfahrt erhaschten wir vom Bus aus noch einen Abschiedsblick auf den Burgberg. Prag ist eine Stadt zum Wiederkommen, das stand für uns fest.